Nach drei Artikeln über Duftfamilien, Hautchemie und richtiges Testen könnte man langsam den Eindruck bekommen, Parfum sei eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Dabei kommt jetzt eigentlich der schönste Teil: einen Duft auswählen und ihn einfach tragen.
Natürlich gibt es Empfehlungen. Manche Düfte wirken leichter und unkomplizierter, andere eleganter, wärmer oder sinnlicher. Dazu kommen Ratschläge nach Jahreszeit, Alter oder Anlass. All das kann bei der Orientierung helfen, sollte aber nie wichtiger werden als die Frage: Gefällt mir dieser Duft überhaupt?
Denn ein Parfum, das laut irgendeiner Regel perfekt zu dir passen müsste, bringt wenig, wenn du selbst es nicht gerne riechst.
Welcher Duft passt zu welchem Anlass?
Wie bei Kleidung kann der Anlass eine gute Orientierung sein. Für Shopping, Café oder einen normalen Alltagstag passen häufig leichte, frische oder weich-florale Düfte. Für Restaurant, Theater oder einen besonderen Abend darf es dagegen etwas wärmer, eleganter oder intensiver werden.
Das bedeutet aber nicht, dass du dafür eine feste Duftordnung brauchst. Wenn dein Lieblingsduft am Abend eigentlich als „Sommerduft“ gilt oder du ein elegantes Parfum auch zum Einkaufen tragen möchtest, spricht nichts dagegen.
Ein Duft sollte zur Situation passen können. Er muss es aber nicht bis ins letzte Detail.
Sommer, Winter und die eigene Stimmung
An warmen Tagen greifen viele automatisch zu Citrus, grünen Noten, leichten Blüten oder aquatischen Düften. Im Herbst und Winter wirken Vanille, Holz, Amber oder Gewürze oft besonders angenehm.
Das passt ein wenig zu unserer Kleidung: Im Sommer mögen wir es leichter und luftiger, im Winter wärmer und gemütlicher. Trotzdem bleibt das eine Empfehlung und keine Vorschrift. Wenn du im Dezember Bergamotte liebst oder im Juli Vanille tragen möchtest, dann tu es.
Gibt es Parfum für ein bestimmtes Alter?
Auch Düfte werden gerne nach Altersgruppen einsortiert. Fruchtig und süß gilt schnell als jung, Iris, Rose oder Holz eher als elegant und reifer.
Solche Eindrücke gibt es durchaus, aber daraus würde ich keine Altersgrenze machen. Wenn dir mit 60 ein fruchtig-florales Parfum gefällt, gibt es keinen vernünftigen Grund, es nicht zu tragen. Umgekehrt muss eine junge Frau auch nicht erst ein bestimmtes Alter erreichen, bevor sie einen klassischen Rosenduft benutzen darf.
Wir erlauben uns bei Kleidung inzwischen schließlich ebenfalls mehr Freiheit. Beim Parfum dürfen wir ruhig genauso entspannt sein.
Muss ein Duft weiblich sein?
Gerade für uns Crossdresser liegt es nahe, beim Parfum zunächst in der Damenabteilung zu suchen. Schließlich sind auch Outfit, Make-up, Haare oder Schmuck häufig bewusst feminin gewählt.
Notwendig ist das aber nicht. Manche Duftnoten werden traditionell eher weiblich, andere eher männlich wahrgenommen, doch diese Grenzen sind längst fließender geworden. Auch ein Unisexduft oder sogar ein klassischer Herrenduft kann hervorragend zu dir passen.
Und auch innerhalb der Damendüfte gilt: Je süßer und blumiger, desto weiblicher ist nicht automatisch richtig. Ein dezenter Duft mit Iris, Moschus oder Holz kann genauso feminin und vielleicht sogar viel stimmiger zu einem natürlichen, alltagstauglichen Look wirken.
Die bessere Frage lautet deshalb für mich nicht: „Ist dieser Duft weiblich genug?“, sondern: „Passt er zu mir und zu der Art, wie ich mich zeigen möchte?“
Brauche ich Beratung in der Parfümerie?
Gerade wenn du noch wenig Erfahrung mit Düften hast, kann eine gute Beratung tatsächlich hilfreich sein. Du musst dafür keine Duftfamilien auswendig kennen. Es reicht völlig, wenn du beschreiben kannst, was du ungefähr suchst: frisch und leicht, weich und feminin, elegant, nicht zu süß oder vielleicht etwas Besonderes für den Abend.
Eine gute Verkäuferin oder ein guter Verkäufer kann daraus schnell eine kleinere Auswahl zusammenstellen und dir möglicherweise auch Düfte zeigen, auf die du selbst gar nicht gekommen wärst.
Haben dort aber wirklich alle Ahnung? Unterschiedlich. In guten Parfümerien gibt es durchaus sehr erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die viele Düfte kennen und Unterschiede gut erklären können. Andere kennen vor allem bestimmte Marken oder das aktuelle Sortiment. Und natürlich bleibt eine Parfümerie ein Geschäft, das etwas verkaufen möchte.
Ich würde Beratung deshalb als Vorauswahl verstehen, nicht als Entscheidung. Lass dir ruhig einige passende Kandidaten zeigen und entscheide anschließend selbst. Deine Nase hat das letzte Wort.
Und wenn du als Crossdresser einen femininen Duft suchst, musst du daraus kein großes Thema machen. Ein Satz wie „Ich suche für mich etwas eher Feminines, aber nicht zu süß“ reicht völlig.
Ein Signature-Duft oder eine kleine Duftgarderobe?
Die Vorstellung eines persönlichen Signature-Duftes hat durchaus Charme. Man trägt über längere Zeit dasselbe Parfum und irgendwann gehört dieser Duft einfach zu einem.
Genauso schön finde ich aber eine kleine Duftgarderobe. Dafür braucht es keine zwanzig Flakons. Zwei oder drei unterschiedliche Düfte reichen bereits: vielleicht etwas Leichtes für den Alltag, etwas Frisches für warme Tage und einen wärmeren oder eleganteren Duft für besondere Abende.
Und vielleicht gibt es darunter sogar einen Duft, den du besonders mit deiner weiblichen Seite verbindest.
Gerüche prägen Erinnerungen sehr stark. Wenn du ein bestimmtes Parfum überwiegend an deinen en-femme-Tagen trägst, kann schon das Aufsprühen irgendwann zu einem kleinen Teil des Stylings werden. So wie Schmuck, Lippenstift oder der letzte Blick in den Spiegel.
Nicht weil ein Parfum dich zur Frau macht, sondern weil du diesen Duft mit bestimmten Tagen, Erlebnissen und einem bestimmten Gefühl verbindest.
Welche Düfte ich selbst gerne trage
Bei mir selbst sind es aktuell drei Düfte, zu denen ich besonders gerne greife: Bruno Banani Radiant Woman, Betty Barclay Tender Blossom und Lancôme La vie est belle.
Radiant Woman gefällt mir mit seiner fruchtig-floralen Mischung und der warmen Basis aus Vanille, Tonka und Sandelholz, Tender Blossom ist deutlich leichter und blumiger, während La vie est belle mit Iris, Vanille und Patschuli für mich die wärmere und elegantere Richtung abdeckt.
Sie sind durchaus unterschiedlich, aber alle haben für mich etwas Feminines, ohne dass ich mich dabei auf eine einzige Duftwirkung festlegen möchte. Je nach Tag, Outfit und Stimmung darf es einmal leichter und floraler, ein anderes Mal wärmer und etwas präsenter sein. Einen einzigen festen „Tamara-Duft“ habe ich deshalb eigentlich gar nicht.
Die wichtigste Regel ist vielleicht gar keine Regel
In dieser Reihe haben wir uns mit Duftfamilien, Hautchemie, Testmethoden, Anwendung, Anlass und Wirkung beschäftigt. All das kann helfen, Parfum besser zu verstehen und vielleicht auch den einen oder anderen Fehlkauf zu vermeiden.
Aber irgendwann darf man dieses Wissen auch wieder ein wenig vergessen.
Vielleicht riechst du in einer Parfümerie einen Duft, der eigentlich überhaupt nicht in dein bisheriges Schema passt. Er gilt nicht als besonders feminin, passt angeblich nicht zu deinem Alter oder gehört zur „falschen“ Jahreszeit.
Und trotzdem möchtest du immer wieder daran riechen.
Dann ist das ein ziemlich gutes Argument.
Ich mag diesen Duft. Ich fühle mich damit wohl. Also trage ich ihn.
Viel komplizierter muss Parfum am Ende gar nicht sein.
💕 Tamara
Hier findest du alle Beiträge zum Thema Parfum:
Parfum, Teil 1: Welches Parfum passt zu mir? Duftfamilien und ihre Wirkung
Parfum, Teil 2: Hautchemie und Parfum: Warum Düfte auf jeder Haut anders riechen
Parfum, Teil 3: Parfum richtig testen und tragen: Die wichtigsten Regeln und Duft-Mythen
Parfum, Teil 4: Parfum im Alltag: Anlass, Alter, Weiblichkeit und die eigene Duftgarderobe
