Von der Waschstraße über Autobahnrastplätze bis zum Hotel: Ein Reisetag mit mehreren Outfitwechseln, kleinen Pausen und ganz normalen Begegnungen.
Anfang Juli stand eine längere Autofahrt nach Osnabrück auf dem Programm. Wir waren zu einem 60. Geburtstag eingeladen und wollten die Gelegenheit nutzen, die Anreise ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten. Schließlich mussten wir nicht zu einer bestimmten Uhrzeit am Ziel sein und hatten genügend Zeit für Pausen und kleine Zwischenstopps.
Für mich war außerdem klar: Ich würde die gesamte Reise als Tamara unternehmen. Nicht erst im Hotel umziehen oder mich irgendwo unterwegs zurechtmachen, sondern bereits zu Hause fertig gestylt ins Auto steigen. Nach meiner zehntägigen Teneriffa-Reise und weiteren Ausflügen war das für mich zwar längst kein völliges Neuland mehr, aber eine längere Autofahrt durch Deutschland mit mehreren Zwischenstopps und einer Hotelübernachtung bot natürlich wieder einige interessante Gelegenheiten, ganz normale Alltagssituationen als Frau zu erleben.
Und weil wir ausreichend Zeit hatten, packte ich neben dem Reisegepäck auch noch ein paar zusätzliche Outfits ein. Schließlich konnte man die Anreise wunderbar mit einigen Fotos und Videos für meine Social-Media-Kanäle verbinden. Ein bisschen Spaß muss schließlich auch sein. 😊
Erst einmal tanken. Und dann: „Hallo, die Damen!“
Los ging es morgens zu Hause. Für die Fahrt hatte ich mich für eine luftige weiße Bluse, meine schwarz-weiße, weit geschnittene Hose und bequeme weiße Sneaker entschieden. Dazu meine blonde Perücke, dezentes Make-up, etwas Schmuck und eine kleine weiße Handtasche. Ein sommerliches Outfit, in dem ich mich auch während einer längeren Autofahrt wohlfühlen konnte.

Bevor es richtig losging, brauchte allerdings auch unser Auto noch etwas Aufmerksamkeit. Also zuerst zur Tankstelle. Aussteigen, tanken, bezahlen, weiterfahren. Keine ungewöhnlichen Blicke, keine Fragen und auch sonst keine erkennbaren Reaktionen auf mein Erscheinungsbild. Danach stand noch ein Besuch in der Waschstraße an, denn wenn ich schon ordentlich gestylt unterwegs war, sollte wenigstens das Auto ebenfalls einigermaßen sauber aussehen. 😁
Dort wurden wir vom Mitarbeiter bei der Vorwäsche freundlich begrüßt: „Hallo, die Damen! Welches Programm?“
Ich mag solche kleinen Situationen. Da steht man als Crossdresser vor einem fremden Menschen, wird ganz selbstverständlich als Frau angesprochen und das Gespräch dreht sich ausschließlich darum, welches Waschprogramm das Auto bekommen soll. Wir entschieden uns für ein Programm, die Vorwäsche begann und wenige Minuten später war auch das erledigt. So unspektakulär kann Crossdressing im Alltag sein. Und auch wenn ich solche Erfahrungen inzwischen häufiger mache, freue ich mich immer noch darüber.
Mit frisch gewaschenem Auto konnte die Reise nun endlich richtig beginnen.
Autobahnrastplätze, Outfitwechsel und kleine Fotosessions
Bei einer längeren Autofahrt gehören regelmäßige Pausen natürlich dazu. Mal möchte man sich die Beine vertreten, etwas trinken, zur Toilette gehen oder einfach ein paar Minuten aus dem Auto heraus. Da wir an diesem Tag keinen Zeitdruck hatten, wollten wir die Zwischenstopps außerdem für einige Fotos und Videos nutzen.
Unsere erste Rast machten wir noch in meinem ursprünglichen Reiseoutfit. Das Wetter spielte mit, die Sonne schien und so entstanden auf dem Rastplatz ein paar schöne Aufnahmen. Eine Autobahnraststätte ist zwar nicht unbedingt die erste Adresse, die einem für eine Fotosession in den Sinn kommt, aber mit etwas Sonne und einer passenden Perspektive lassen sich selbst dort ganz nette Bilder machen.






Bei einem weiteren Zwischenstopp kam dann zum ersten Mal mein mitgebrachtes Wechseloutfit zum Einsatz. Statt der schwarz-weißen Hose und der weißen Bluse trug ich nun eine schwarze, weit geschnittene Hose mit einem locker fallenden, bedruckten Shirt. Natürlich musste auch diese Kombination fotografiert werden.
Im Laufe der Fahrt wechselte ich noch mehrfach meine Kleidung. Mal wurde es etwas sportlicher, mal etwas femininer mit Rock oder einer farbenfrohen Sommerhose. Dabei entstanden nicht nur Fotos, sondern auch einige kurze Videos für meine Social-Media-Kanäle. Beispielsweise kleine Outfitvergleiche mit der Frage, welche Schuhe besser dazu passen: Pumps oder Sneaker?
Gerade solche Aufnahmen machen mir inzwischen viel Spaß. Ich kann verschiedene Kombinationen ausprobieren, ein bisschen mit meinem Aussehen experimentieren und später meine Follower nach ihrer Meinung fragen. Natürlich würde ich bei einer gewöhnlichen Autofahrt nicht ständig die Kleidung wechseln. Aber wenn man ohnehin unterwegs ist, ausreichend Zeit hat und mehrere schöne Outfits im Gepäck liegen, warum sollte man die Gelegenheit nicht nutzen?
Das Umziehen unterwegs war dabei kein großes Problem. Mit dem Auto hatten wir unsere kleine mobile Garderobe schließlich immer dabei, auch wenn die natürlich nicht mit dem Komfort eines richtigen Umkleidezimmers mithalten konnte. 😉
Ein Abstecher nach Kassel: Kaffee? Leider nicht!
Eine längere Pause hatten wir in Kassel eingeplant. Statt einfach den nächsten Autobahnrastplatz anzusteuern, fuhren wir von der Autobahn ab. Die Idee war, in einem Park ein wenig spazieren zu gehen und anschließend gemütlich einen Kaffee zu trinken. Nach mehreren Stunden im Auto war uns etwas Bewegung ohnehin ganz recht.

Für diesen Zwischenstopp hatte ich mich für mein farbenfrohes Shirt mit dem dunkelblauen, weit fallenden Rock entschieden. Dazu trug ich wieder meine weißen Sneaker. Eine Kombination, die ich für solche Unternehmungen sehr gerne mag, denn sie wirkt feminin und sommerlich, ist aber gleichzeitig bequem genug, um auch längere Strecken zu Fuß zurückzulegen.
Der Park war wirklich schön. Viel Grün, gepflegte Wege, große Bäume und ausreichend Platz für einen kleinen Spaziergang. Wir ließen uns ein wenig Zeit, machten einige Fotos und genossen die Pause. Natürlich waren auch andere Besucher unterwegs, aber niemand schien sich besonders für mich zu interessieren. Die Leute gingen spazieren, saßen auf Bänken oder genossen einfach das schöne Wetter, genau wie wir.

Nur aus dem geplanten Kaffee wurde leider nichts. Das Café, das wir uns ausgesucht hatten, hatte geschlossen. Schade eigentlich, denn nach der bisherigen Fahrt hätte ich mich durchaus über eine gemütliche Kaffeepause gefreut. Aber deshalb musste der Ausflug ja nicht ausfallen. Wir spazierten noch ein wenig durch den Park und machten uns anschließend wieder auf den Weg.
Inzwischen hatten wir allerdings Hunger bekommen, also gab es eine kleine Planänderung: McDonald’s statt Café.
Wir holten uns beim McDrive etwas zu essen und suchten uns draußen einen Platz, wo wir unsere Burger in Ruhe genießen konnten. Bei schönem Wetter muss man schließlich nicht unbedingt im Restaurant sitzen. Und so saß ich wenig später im bunten Shirt und Rock auf einer Bank, mit einem Burger in der Hand und meiner Frau gegenüber. Natürlich durfte auch davon ein Foto nicht fehlen.
Ein besonders eleganter Restaurantbesuch war das nun wirklich nicht, aber darum geht es mir bei solchen Unternehmungen auch gar nicht. Wenn ich als Tamara unterwegs bin, möchte ich schließlich nicht ausschließlich schöne Kleider präsentieren oder für Fotos posieren. Ich möchte auch die ganz gewöhnlichen Dinge machen, die man während einer Reise eben macht. Und dazu gehört gelegentlich auch ein Burger auf einem Parkplatz.
Anschließend ging es zurück auf die Autobahn. Später folgte noch eine kurze Toilettenpause, die ich gleich mit einem weiteren Outfitwechsel und einigen zusätzlichen Fotos verband. Diesmal durfte meine leuchtend gelbe Sommerhose mit dem bunten Oberteil mit auf die Bilder. Die Fahrt bot also reichlich Gelegenheit, verschiedene sommerliche Kombinationen auszuprobieren.
Langsam rückte Osnabrück näher, und nach den zahlreichen Unterbrechungen freuten wir uns inzwischen durchaus darauf, unser Hotel zu erreichen.
Ankunft im Hotel: Der Check-in, der keiner war

Am Abend erreichten wir schließlich unser Hotel in Osnabrück. Ein ganz normales Stadthotel, in dem wir für die Übernachtung ein Zimmer gebucht hatten. Eigentlich hatte ich mich durchaus auf den Check-in gefreut, denn gerade Hotels gehören zu den Orten, an denen man als Crossdresser interessante Erfahrungen machen kann.
Man steht an der Rezeption, nennt seinen Namen, zeigt gegebenenfalls den Ausweis und erledigt die üblichen Formalitäten. Auf Teneriffa hatte ich bereits erlebt, wie problemlos das funktionieren kann, obwohl meine offiziellen Ausweisdaten natürlich nicht zu meinem femininen Erscheinungsbild passen. Diesmal hätte ich gerne eine weitere Erfahrung gesammelt.
Doch daraus wurde nichts. Als wir ankamen, war niemand an der Rezeption. Stattdessen lag unser Zimmerschlüssel bereits vorbereitet in einem Umschlag am Eingang. Das war’s auch schon. Kein Gespräch, kein Ausweis, keine Nachfrage. Einfach den Umschlag nehmen und aufs Zimmer gehen.
Praktisch war das natürlich schon. Für meinen Erlebnisbericht hätte ich mir allerdings fast ein bisschen mehr persönlichen Kontakt gewünscht. 😄
So blieb der Check-in völlig ereignislos. Immerhin hatten wir unser Zimmer, konnten unser Gepäck abstellen und uns nach der langen Fahrt erst einmal frisch machen. Natürlich nutzte ich die Gelegenheit auch gleich für ein paar Fotos im Zimmer. Nach den zahlreichen Bildern an Rastplätzen und im Park war ein richtiges Hotelzimmer schließlich eine willkommene Abwechslung.
Noch einmal umziehen und dann zum Abendessen
Nach einem ganzen Tag unterwegs war es angenehm, endlich im Hotel angekommen zu sein. Für den Abend wechselte ich noch einmal das Outfit. Diesmal entschied ich mich für eine weite schwarze Hose, eine helle, gemusterte Bluse und meine weißen Sneaker. Eine schöne, bequeme Kombination für einen gemütlichen Restaurantbesuch.
Eigentlich wollten wir im Restaurant unseres Hotels essen gehen. Allerdings hatten wir dabei die Rechnung ohne die geschlossene Gesellschaft gemacht, die an diesem Abend sämtliche Plätze belegte. Also fragten wir beim Hotelpersonal nach einer Alternative. Man empfahl uns das Restaurant im benachbarten Hotel, gerade einmal rund 100 Meter entfernt.
Immerhin gab es hier nun doch noch den persönlichen Kontakt, den ich beim Check-in vermisst hatte. Die Mitarbeiter waren freundlich und hilfsbereit, und mein feminines Erscheinungsbild schien überhaupt keine Rolle zu spielen. Wir bekamen unsere Restaurantempfehlung und machten uns auf den kurzen Weg zum Nachbarhotel.
Und diesmal hatten wir Glück: Ein Tisch war frei, sodass einem gemütlichen Abendessen nichts mehr im Wege stand.
Das Restaurant war wirklich eine gute Empfehlung. Die Einrichtung mit ihren Backsteinwänden und der angenehmen Beleuchtung gefiel uns auf Anhieb. Wir bekamen unseren Tisch, studierten in Ruhe die Speisekarte, bestellten unsere Getränke und schließlich das Abendessen. Auch das Essen selbst war hervorragend, sodass sich der kleine Umweg auf jeden Fall gelohnt hatte.




Während des gesamten Restaurantbesuchs gab es keinerlei unangenehme Situationen. Weder das Servicepersonal noch andere Gäste zeigten irgendeine für mich erkennbare ungewöhnliche Reaktion. Wir wurden freundlich bedient, konnten unser Essen genießen und ließen den langen Reisetag bei einem guten Glas Wein gemütlich ausklingen.
Natürlich kann ich nie genau wissen, was andere Menschen tatsächlich denken, wenn sie mich sehen. Vielleicht erkennt jemand sofort, dass ich ein Crossdresser bin, vielleicht aber auch nicht. Entscheidend ist für mich, wie man mir begegnet. Und hier gab es wirklich nichts zu beanstanden.
Nach dem Essen bezahlten wir und machten uns auf den kurzen Rückweg zum Hotel. Damit ging ein schöner und abwechslungsreicher Reisetag zu Ende.
Mein Fazit: Eine Reise, viele Outfits und ganz viel Alltag
Wenn ich diesen Tag noch einmal Revue passieren lasse, dann waren es vor allem die vielen kleinen Situationen, die ihn für mich besonders gemacht haben. Die freundliche Begrüßung in der Waschstraße, die Pausen an den Rastplätzen, unsere kleinen Fotosessions, der Spaziergang in Kassel, ein Burger auf dem Parkplatz und schließlich das Abendessen in einem fremden Restaurant.
Es waren keine außergewöhnlichen Herausforderungen dabei und auch keine dramatischen Momente, die ich erst überwinden musste. Selbst der Hotel-Check-in, bei dem ich mit einer persönlichen Begegnung gerechnet hatte, erledigte sich praktisch von alleine. Dafür hatten wir umso mehr Spaß bei unseren Zwischenstopps und den verschiedenen Outfitwechseln.
Natürlich bin ich inzwischen recht erfahren darin, als Tamara unterwegs zu sein. Trotzdem finde ich es immer wieder schön, wenn sich auch eine längere Reise mit zahlreichen Zwischenstopps so selbstverständlich gestaltet. Ich muss mir nicht ständig Gedanken darüber machen, wie ich auf andere Menschen wirke oder ob jemand erkennt, dass ich ein Crossdresser bin. Stattdessen kann ich mich auf das konzentrieren, was ich eigentlich vorhabe: reisen, spazieren gehen, fotografieren, gut essen und eine schöne Zeit verbringen.
Wer bisher nur zu Hause oder bei kurzen Ausflügen en femme unterwegs war, fragt sich vielleicht, wie das bei einer längeren Autofahrt funktioniert. Wie reagieren andere Menschen an Tankstellen und Rastplätzen? Was passiert beim Check-in im Hotel? Und kann man abends einfach in einem fremden Restaurant essen gehen, ohne dass das eigene Aussehen zum Gesprächsthema wird?
Meine Erfahrungen von diesem Tag waren durchweg positiv. Natürlich bedeutet das nicht, dass jede Reise für jeden Crossdresser genauso verlaufen wird. Aber vielleicht hilft dieser Bericht dabei, manche Befürchtungen etwas realistischer einzuschätzen.
Und wenn ich eines aus diesem Tag mitgenommen habe, dann ist es die Erkenntnis, dass eine längere Reise als Tamara inzwischen genauso selbstverständlich sein kann wie jede andere Autofahrt. Nur dass diesmal ein paar mehr Outfits im Gepäck waren und wir vermutlich deutlich mehr Fotos gemacht haben als bei einer gewöhnlichen Fahrt nach Osnabrück. 😁
Für mich war es ein rundum gelungener Reisetag, bei dem ich meine feminine Seite ausleben konnte, ohne dass sie für andere Menschen zum Thema werden musste.
Deine Tamara 💕
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