Vorbereitung und dieses bewusste Ankommen
Der 20. Dezember war keiner dieser Tage, die man groĂź ankĂĽndigt oder lange im Voraus plant. Kein besonderer Termin, kein festes Programm, nur der Wunsch auf den Christkindlmarkt in der Innenstadt zu gehen. Und vielleicht ein neues Outfit zu shoppen.
Schon am Mittag begann alles ganz bewusst. Make-up, sorgfältig und ohne Hast. Rund anderthalb Stunden nahm ich mir Zeit, weil klar war, dass dieser Tag lang werden würde. Ein Tag, der nicht nur aus einem kurzen Ausflug bestand, sondern bis in den Abend hinein reichen sollte. Das Make-up sollte halten, aber vor allem sollte es sich gut anfühlen. Dieses Ritual ist für mich längst mehr als Vorbereitung. Es ist ein Ankommen, ein langsames Umschalten, ein Moment, in dem ich mich ganz auf mich konzentriere.





Danach entstanden zuhause noch einige Fotos. Mein neues „Merry Christmas“-Strickkleid wollte festgehalten werden. SchlieĂźlich ist es Weihnachten. Ich probierte verschiedene Strumpfhosen aus, helle, glänzende, schwarze. Die schwarze war schnell der Favorit, aber auch die helle hatte ihren Reiz. Wohnzimmer, Flur, Balkon, vor dem Weihnachtsbaum. Mal mit roter ZipfelmĂĽtze, mal ohne. Nicht gestellt, nicht perfekt, sondern einfach schöne, stimmige Bilder. Und natĂĽrlich auch ganz pragmatisch gedacht: Man braucht ja ein paar Bilder fĂĽr die sozialen Netzwerke. Aber vor allem mochte ich mich selbst auf diesen Fotos.
Shopping in der Stadt
FĂĽr den Weg in die Innenstadt entschied ich mich fĂĽr eine Kombination, die genau diesen Tag widerspiegelte. Das Strickkleid blieb die Basis, dazu die helle Strumpfhose und darĂĽber meine schwarze Kunstlederhose. Dann Stiefeletten mit Keilabsatz, eine dunkelbraune Jacke mit Kapuze und Fellimitat, meine schwarze Handtasche und ein rot-schwarzes Tuch. Warm, feminin, bequem, alltagstauglich. Und genau richtig fĂĽr Shopping, Christkindlmarkt und einen langen Abend.
Der erste Weg fĂĽhrte mich zu C&A. Mit dem Gedanken, vielleicht noch ein Outfit fĂĽr Silvester zu finden. Kein Muss, kein Zeitdruck. Einfach schauen, fĂĽhlen, ausprobieren.
Zuerst nahm ich mir zwei Teile mit in die Umkleide, die unterschiedlicher kaum hätten sein können. Ein Jumpsuit, modern und elegant, der mir auf den ersten Blick gefiel, sich aber schnell als etwas zu eng herausstellte. Und dann dieses Paillettenkleid. Wirklich ein Hammer. Schön körpernah geschnitten, funkelnd, feminin, genau diese Art von Kleid, die man anzieht und sofort spürt, dass sich etwas verändert.
Solche Kleider haben für mich immer etwas Besonderes. Man trägt sie nicht wie eine Bluse oder einen Pullover. Man schlüpft hinein, steht plötzlich fast nur noch in Stoff und Glanz, mit nichts als der eigenen Haut und der Wäsche darunter. Dieses Gefühl von Weiblichkeit wird intensiver, direkter und ja, auch ein bisschen verletzlicher. Man fühlt sich schöner, aber auch exponierter. Genau das macht solche Kleider so reizvoll.
Leider war meine Größe vergriffen und das Kleid, das ich anprobierte, daher ein wenig zu eng. Und selbst wenn sie verfügbar gewesen wäre, wusste ich in diesem Moment auch ganz genau, dass der ärmellose Schnitt bei breiteren Schultern und Oberarmen nicht immer schmeichelhaft ist. Also hängte ich sowohl den Jumpsuit als auch das Paillettenkleid wieder zurück. Ohne Frust, ohne Enttäuschung. Manchmal reicht es schon, etwas anprobiert zu haben, um zu wissen, wie man sich fühlen kann.





Erst danach entdeckte ich den grauen Pullover mit Streifen und einem Hauch Glitzer sowie das türkisfarbene Shirt. Dazu die beiden weiten Hosen – einmal dunkelblau, einmal schwarz. Ich nahm alles mit und ging ein zweites Mal in die Umkleide.
Und diesmal passte es. Das tĂĽrkisfarbene Shirt in Kombination mit der dunkelblauen, weit geschnittenen Hose fĂĽhlte sich sofort richtig an. Elegant, feminin, flieĂźend. Im groĂźen Spiegel vor der Kabine blieb ich bewusst stehen, betrachtete mich in Ruhe. Genau diese Kombination, die sowohl mit Pumps als auch mit Ballerinas funktioniert. Auch der graue Pulli mit der schwarzen Hose wirkte stimmig, ruhig, aber keineswegs langweilig.
Was mich während des gesamten Einkaufs begleitete, war dieses Gefühl von völliger Selbstverständlichkeit. Ich stand vor dem Spiegel, andere Kundinnen waren da, teils mit ihren Männern oder Freunden. Niemand musterte mich. Niemand reagierte irritiert. Ich war einfach eine Frau beim Shoppen. Und genau das ist es, was diese Erlebnisse für mich so besonders macht.
Christkindlmarkt, GlĂĽhweinpause und Abendessen
Nach dem Shopping ging es noch durch ein paar andere Geschäfte, einfach weiterstöbern, ohne Ziel. Dann führte der Weg über den Christkindlmarkt. Lichter, Verkaufsstände, der große Weihnachtsbaum, Glühwein, gebrannte Mandeln, Bratwurst, Weihnachtsschmuck. Alles, was dazugehört.
Es war sehr voll. Dieses typische vorweihnachtliche Gedränge, bei dem man eher geschoben wird, als selbst zu gehen. Und gerade darin ging ich völlig auf. Oder besser gesagt: darin ging ich unter. Ich wurde Teil der Menge, Teil dieses Abends, ohne herauszustechen.
Am Rand des Christkindlmarkts fanden wir schließlich einen ruhigeren Glühweinstand. Mehr Platz, weniger Menschen, ein bisschen Abstand vom Trubel. Der Glühwein war lecker, wärmte die Hände und tat einfach gut. Wir standen dort eine Weile, beobachteten die Menschen, ließen den Lärm etwas abebben. Diese kurze Pause hatte etwas sehr Beruhigendes. Ein Moment zum Durchatmen, zum Innehalten, mitten im Chaos der Stadt.





Nach der Glühweinpause ging es weiter ins Restaurant. Auch dort: voll. Kurz vor Weihnachten, Innenstadt, Nähe zum Christkindlmarkt. Nach vielleicht 15 Minuten Wartezeit bekamen wir einen Platz an einem Tisch, an dem bereits zwei Touristen saßen. Alles lief ganz selbstverständlich ab. Ich bestellte einen kleinen Schweinebraten mit Knödeln und dazu ein Radler. Und irgendwann kam dieser ganz alltägliche Moment, der für mich dennoch immer wieder eine besondere Bedeutung hat. Also Handtasche geschnappt und ins Untergeschoss. Natürlich zur Damentoilette. Ich stellte mich in die kurze Schlange, vier oder fünf Damen vor mir. Kein zweiter Blick, kein Stirnrunzeln, kein Fragezeichen. Alles ruhig, selbstverständlich, normal. Genau so, wie es sein sollte.
Nach dem Essen zahlten wir, fuhren nach Hause und dort entstanden noch ein paar Abschlussfotos mit den neu gekauften Sachen. Ein ruhiger Abschluss fĂĽr einen rundum stimmigen Tag.
Wenn ich zurückblicke, war es kein spektakulärer Tag. Und genau deshalb war er so schön. Shopping, Christkindlmarkt, Essen gehen. Alltag. Ein ganz normaler Dezembertag, an dem ich mich zeigen konnte, ohne infrage gestellt zu werden. Ohne aufzufallen. Ohne besonders beachtet zu werden.
Und genau das ist es, was ich inzwischen so sehr schätze. Diese schönen Tage, an denen einfach alles passt.
Tamara 🎄✨
